1 · Entwicklungskonzepte

Dorfleit­bild Bin­zwan­gen 2017 [Down­load als PDF-Datei, <1 MB]

Bin­zwan­gen an der obe­ren Alt­mühl in der Markt­ge­mein­de Colm­berg ist für die 200 Ein­woh­ner Wohn­ort und Lebens­mit­tel­punkt. Das frü­he­re Hand­wer­ker- und Bau­ern­dorf ist mit sei­nen Gewer­be- und Beher­ber­gungs­be­trie­ben aber auch ein Anzie­hungs­punkt für Pend­ler und Urlau­ber. Der Ort sieht sich mit sei­ner Aus­gangs­po­si­ti­on gut gerüs­tet für die Zukunft. Für die kom­men­den Her­aus­for­de­run­gen durch den demo­gra­fi­schen Wan­del müs­sen Ein­woh­ner und Ver­wal­tung jedoch Lösun­gen und Ant­wor­ten fin­den.

Ein Ent­wick­lungs­leit­bild aus der Mit­te der Bevöl­ke­rung

Mit der Teil­nah­me am Dorf­wett­be­werb „Unser Dorf hat Zukunft — Unser Dorf soll schö­ner wer­den“ will die Dorf­ge­mein­schaft neue Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven für die Ort­schaft erar­bei­ten. Die von Bür­ger­meis­ter Kies­lin­ger in die Hän­de der Dorf­ge­mein­schaft abge­ge­be­ne inhalt­li­che Feder­füh­rung wur­de in ver­schie­de­nen For­men umge­setzt. Bei meh­re­ren öffent­li­chen Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wur­de nicht nur ein all­ge­mei­nes Stim­mungs­bild abge­fragt, son­dern auch bereits in einem gro­ßen Kreis Stär­ken und Schwä­chen Bin­zwan­gens erör­tert. Die aus die­sen Ver­samm­lun­gen ent­stan­de­ne Dorf­werk­statt, ein Arbeits­kreis enga­gier­ter Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, ver­tief­te die­se Ana­ly­se anschlie­ßend über einen län­ge­ren Zeit­raum. Dabei wur­de erneut die gesam­te Dorf­be­völ­ke­rung mit­ein­be­zo­gen und mit­tels vor­ge­fer­tig­ter For­mu­lar­zet­tel Mei­nun­gen erbe­ten, um auch anony­me Rück­mel­dun­gen zu umstrit­te­nen The­men zu ermög­li­chen. Die­se Ant­wor­ten wur­den anschlie­ßend aus­ge­wer­tet und stel­len zusam­men mit den Ergeb­nis­sen der Dorf­werk­statt die Grund­la­ge der fol­gen­den Abschnit­te dar.

ein­fach · gemein­sam · leben – Die Stär­ken Bin­zwan­gens

In vie­len Berei­chen zeich­net sich Bin­zwan­gen gegen­wär­tig durch eine hohe Zufrie­den­heit der Bevöl­ke­rung aus. Zen­tral ist dafür das sozia­le Mit­ein­an­der der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner, das sich in vie­ler­lei Hin­sicht zeigt. Ein sehr akti­ves Ver­eins­le­ben und hohes Enga­ge­ment der Akteu­re aus ganz ver­schie­de­nen Berei­chen sor­gen für leben­di­ge Tra­di­tio­nen und intak­tes Brauch­tum sowie eine hohe Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Ort und Zusam­men­halt unter­ein­an­der. Zen­tral sind dabei der Stamm­tisch Bin­zwan­gen e.V. und die evan­ge­lisch-luthe­ri­sche Kir­chen­ge­mein­de, jedoch auch die Viel­zahl klei­ne­rer Grup­pie­run­gen. Auch die bau­li­che Gestal­tung Bin­zwan­gens ist den Ein­woh­nern wich­tig, was an den Maß­nah­men der erst kürz­lich abge­schlos­se­nen Dorf­er­neue­rung zu sehen ist. Neben dem ästhe­ti­schen Anblick, vor allem der zahl­rei­chen Bau­denk­mä­ler, sind öffent­li­che und pri­va­te Plät­ze und Grün­flä­chen sowie Gebäu­de vor allem als Orte des Zusam­men­le­bens geschätzt. Zwei kom­mu­na­le Gebäu­de und ein bewirt­schaf­te­tes Gast­haus wer­den als Treff­punk­te eben­falls ger­ne genutzt. Sehr erfreu­lich ist, dass sich vie­le jun­ge Fami­li­en dafür ent­schei­den, am Ort zu blei­ben und die vor­han­de­nen Bau­plät­ze zu bebau­en. Das viel­ge­stal­ti­ge Gemein­schafts­le­ben bie­tet für Neu­bür­ger zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten zur Betei­li­gung. Die zu den alten Baum­be­stän­den an Fried­hof und Spiel­platz hin­zu­ge­kom­me­ne Begrü­nung des Orts­bilds und der Aus­bau der Möblie­rung sor­gen für einen flie­ßen­den Über­gang in den unmit­tel­bar angren­zen­den Natur­raum des Natur­parks Fran­ken­hö­he. Die­ser ist geprägt von der Alt­mühl, geschütz­ten Bio­to­pen und Land­schafts­be­stand­tei­len sowie Natur­denk­ma­len und wird daher als Nah­erho­lungs­be­reich genutzt, wobei vor allem der Natur­ba­de­wei­her und der alte Bade­wei­her als Bio­top aus­drück­lich gelobt wer­den. Die Zuver­sicht der Bevöl­ke­rung hin­sicht­lich der Zukunfts­fä­hig­keit Bin­zwan­gens beruht neben die­sen Punk­ten ganz beson­ders auf den drei wirt­schaft­li­chen Stand­bei­nen Tou­ris­mus, Gewer­be und Land­wirt­schaft. Mit die­ser gelun­ge­nen Neu­aus­rich­tung wur­de dem länd­li­chen Struk­tur­wan­del effek­tiv begeg­net. Durch sie wur­de eine gro­ße Zahl an Arbeits­plät­zen vor Ort geschaf­fen, Leer­stän­de und Abwan­de­rung ver­mie­den sowie die Attrak­ti­vi­tät von Dorf und Land­schaft wei­ter gestei­gert. Die Tole­ranz der Bevöl­ke­rung gegen­über gele­gent­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen durch die­se Berei­che ist Aus­druck der Wert­schät­zung ihres Nut­zens für das Dorf. Auf über­ört­li­cher und über­kom­mu­na­ler Ebe­ne sind mit der LEA­DER-Regi­on An der Roman­ti­schen Stra­ße und dem Inte­grier­ten Länd­li­chen Ent­wick­lungs­kon­zept Regi­on Rothen­burg ob der Tau­ber (ILEK Regi­on Rothen­burg) Werk­zeu­ge vor­han­den, die kon­kre­te posi­ti­ve Effek­te auf ein­zel­ne Orte wie Bin­zwan­gen haben.

Pro­ble­me der Gegen­wart und Zukunft

Die Pro­ble­me Bin­zwan­gens wer­den von der Bevöl­ke­rung weni­ger in der Gegen­wart gese­hen, son­dern für die Zukunft befürch­tet, indem der Fort­be­stand der im vori­gen Absatz auf­ge­führ­ten Stär­ken als gefähr­det ange­se­hen wird. Aktu­el­le Schwä­chen, die benannt wer­den, sind der noch aus­bau­fä­hi­ge ÖPNV und der ver­bes­se­rungs­wür­di­ge Zustand ver­ein­zel­ter Grün­flä­chen und Anwe­sen, wofür die Ursa­chen in nach­läs­si­ger Pfle­ge, unsach­ge­mä­ßen Par­ken sowie der Leer­stands­pro­ble­ma­tik zu suchen sind. Vor allem lie­gen der Bevöl­ke­rung die akti­ve Dorf­ge­mein­schaft und das Ver­eins­le­ben sehr am Her­zen. Dabei wird das gerin­ge Enga­ge­ment der jün­ge­ren Genera­ti­on durch­aus kri­tisch gese­hen und das Aus­ster­ben von Brauch­tum und Tra­di­ti­on befürch­tet. Damit ver­knüpft sind auch Sor­gen um den Erhalt der kom­mu­na­len Ver­an­stal­tungs­räu­me. Ange­sichts des demo­gra­fi­schen Wan­dels und der Land­flucht jun­ger Men­schen bestehen trotz der ver­gleichs­wei­se guten gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on Bin­zwan­gens zudem Befürch­tun­gen hin­sicht­lich dro­hen­den Leer­stands und unge­nü­gen­der Ver­sor­gung und Betreu­ung von Senio­ren in der Zukunft.

Zie­le und Hand­lungs­stra­te­gi­en

Das zen­tra­le Ziel der Bin­zwan­ger Bevöl­ke­rung ist aus die­sen Grün­den die Siche­rung des gegen­wär­ti­gen sta­tus quo. Die­se Bestands­si­che­rung wird vor allem in fol­gen­den Berei­chen ange­strebt:

  • Akti­ves Ver­eins- und Gemein­schafts­le­ben
  • Geleb­te Tra­di­ti­on und Brauch­tum
  • Offen­heit und Ein­be­zie­hung aller (neu­en) Bür­ge­rin­nen und Bür­ger
  • Bewohn­tes Dorf ohne Leer­stand
  • Benut­zung kom­mu­na­ler Gebäu­de und Ver­an­stal­tungs­räu­me

Die Mit­tel zum Errei­chen die­ser Zie­le lie­gen dabei zum Groß­teil in den Hän­den der Bevöl­ke­rung selbst. Die in Bin­zwan­gen häu­fig anzu­tref­fen­de Bereit­schaft, selbst anzu­pa­cken und nicht nur zu for­dern, spie­gelt sich dabei wie­der. Die akti­ve Dorf­ge­mein­schaft, geleb­te Tra­di­ti­on und intak­tes Brauch­tum sowie die Auf­ge­schlos­sen­heit gegen­über Neu­em sol­len ein nach­ah­mens­wer­tes Vor­bild sein, durch das auch aus den jün­ge­ren Genera­tio­nen Anhän­ger, Nach­ah­mer und Gestal­ter her­vor­ge­hen, die sich mit ihrer Tat­kraft und ihren Ide­en ein­brin­gen. Damit wer­den die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen, um Bin­zwan­gen als lebens­wer­ten Wohn­ort zu erhal­ten und einen Bevöl­ke­rungs­rück­gang zu ver­mei­den. Staat­li­che För­der­pro­gram­me müs­sen zusätz­lich Anrei­ze zur Ver­mei­dung von Leer­stand lie­fern und kom­mu­na­le Ent­schei­dungs­trä­ger die ver­schie­de­nen öffent­li­chen Inter­es­sen im Sin­ne einer posi­ti­ven Dorf­ent­wick­lung abwä­gen und zusam­men­füh­ren. Die Grund­ver­sor­gung mit Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, All­ge­mein­ärz­ten und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen soll eben­falls gewähr­leis­tet blei­ben. Da die­se Ein­rich­tun­gen ange­sichts der gerin­gen Bevöl­ke­rungs­an­zahl nicht in Bin­zwan­gen selbst ange­sie­delt sind, gehen Maß­nah­men zum Erhalt jedoch über ein Dorf­ent­wick­lungs­kon­zept hin­aus und lie­gen viel­mehr in kom­mu­na­ler und über­kom­mu­na­ler Ver­ant­wor­tung.

Die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft bedür­fen jedoch neu­er Kon­zep­te, die fle­xi­bel auf pro­ble­ma­ti­sche Ent­wick­lun­gen reagie­ren und ihnen ent­ge­gen­wir­ken kön­nen. Vor allem der demo­gra­fi­sche Wan­del, der auf dem Land nicht nur durch die Alte­rung der Gesell­schaft, son­dern auch durch die Abwan­de­rung jun­ger Men­schen gebil­det wird, erfor­dert ent­spre­chen­de Maß­nah­men. Zu ihnen gehö­ren in den Augen der Bin­zwan­ger Bevöl­ke­rung:

  • Adäqua­te Betreu­ung von Senio­rin­nen und Senio­ren am oder nahe des ursprüng­li­chen Wohn­orts
  • All­tags­taug­li­che Ver­kehrs­in­fra­struk­tur für mobi­li­täts­ein­ge­schränk­te Per­so­nen
  • Moder­ne digi­ta­le Infra­struk­tur
  • Hoch­ge­tak­te­te Stre­cken im ÖPNV für Berufs­pend­ler

Auch in die­sem Bereich kann durch die akti­ve Dorf­ge­mein­schaft bereits viel erreicht wer­den, sei es durch Nach­bar­schafts­hil­fe, Senio­ren­ar­beit oder Fahr­ge­mein­schaf­ten. Noch mehr sind jedoch staat­li­che Akteu­re gefragt, um die­se Her­aus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen. Mit der Auf­trags­ver­ga­be für den Breit­band­aus­bau auf den Dör­fern durch die Markt­ge­mein­de Colm­berg ist bereits ein wich­ti­ger Schritt getan [Aus­bau geplant Ende 2017]. Eben­so wird durch die Ver­län­ge­rung der S-Bahn-Stre­cke von Ans­bach über Leu­ters­hau­sen nach Dom­bühl sowie eine Anpas­sung der Bus­fahr­plä­ne eine Ver­bes­se­rung für Pend­ler in den Bal­lungs­raum Nürn­berg erreicht wer­den. Hin­zu kom­men im neu­en ILEK Regi­on Rothen­burg ent­hal­te­ne Stra­te­gi­en, wie etwa das Star­ter­pro­jekt Fle­xi­bus für den indi­vi­dua­li­sier­ten ÖPNV. Das Ziel ist, den bevor­ste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen im Zusam­men­spiel von bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ment und kom­mu­na­len bzw. staat­li­chen Ent­wick­lungs­in­itia­ti­ven zu begeg­nen.

Über die­se grund­le­gen­den Bestan­der­hal­tungs- und Ent­wick­lungs­zie­le hin­aus exis­tiert jedoch auch eine Viel­zahl von Ide­en und Visio­nen, mit denen sich Bin­zwan­gen durch bis­lang unge­wohn­te Initia­ti­ven und krea­ti­ve Ansät­ze wei­ter frei ent­wi­ckeln kann. Wäh­rend sie für ein Dorf mit 200 Ein­woh­nern viel­mehr als Sah­ne­häub­chen ver­stan­den wer­den müs­sen, ist die Nen­nung fol­gen­der Punk­te Anlass zur Hoff­nung, dass sich, auch wegen der cha­rak­te­ris­ti­schen Ver­hält­nis­se in Bin­zwan­gen (z.B. star­ker Tou­ris­mus), tat­säch­lich etwas davon in Zukunft umset­zen lässt.

  • Dorf­la­den
  • Zusätz­li­che kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen
  • Gemein­sam genutz­te Hei­zungs­an­la­gen
  • Senio­ren-WG, Mehr­ge­nera­tio­nen­haus etc.
  • Offi­zi­el­le Stra­ßen­na­men
  • Blu­men- und Sträu­cher­ba­sar
  • & noch vie­le Ide­en mehr

Aus­blick

Bin­zwan­gen ist mit sei­nen gegen­wär­ti­gen struk­tu­rel­len Ver­hält­nis­sen, sei­ner Bau- und Grün­ge­stal­tung sowie sei­ner natur­land­schaft­li­chen Lage gut dafür auf­ge­stellt, auch in den nächs­ten Jahr­zehn­ten noch der geschätz­te Lebens­mit­tel­punkt sei­ner Ein­woh­ner zu sein. Letz­te­re sind beson­ders stolz auf das sozia­le Mit­ein­an­der in einer Viel­zahl von Ver­ei­nen und Grup­pen, die die Häu­ser, Stra­ßen und Plät­ze jeden Tag aufs Neue bele­ben und Bin­zwan­gen damit zu einem vita­len Dorf machen. Das vor­ran­gi­ge Ziel, die­sen Zustand auf die­sem hohen Niveau zu bewah­ren, wird um neue Her­aus­for­de­run­gen ergänzt, die es zu bewäl­ti­gen gibt. Wenn sowohl die Bevöl­ke­rung als auch die Gemein­de­ver­wal­tung wei­ter­hin tat­kräf­tig anpa­cken und zusam­men an Lösun­gen arbei­ten, wird unser Dorf auch in eini­gen Jahr­zehn­ten noch leben­dig sein. Dabei kommt es jedoch auf die Initia­ti­ve und das Enga­ge­ment jeder ein­zel­ner Bür­ge­rin und jedes ein­zel­nen Bür­gers an, ob alt oder jung, ob alt­ein­ge­ses­sen oder neu zuge­ge­zo­gen; denn es gibt für alle Ein­woh­ner Betä­ti­gungs­fel­der oder zumin­dest Ent­fal­tungs- und Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten. Für eine erfolg­rei­che Zukunft unse­res Dor­fes tun wir also am bes­ten das, was wir ohne­hin schon jeden Tag machen: ein­fach · gemein­sam · leben!

Bin­zwan­gen, im Früh­jahr 2017


Aus dem Erläu­te­rungs­be­richt:

Die Bevöl­ke­rung Bin­zwan­gens schwankt über die letz­ten 30 Jah­re um eine Zahl von 200 Per­so­nen und liegt der­zeit bei 191. Ent­ge­gen des all­ge­mei­nen Trends auf dem Land muss­te also kein beson­de­rer Rück­gang hin­ge­nom­men wer­den. Mit nur 17% Kin­dern und Jugend­li­chen unter 18 Jah­ren und einem Anteil von 68% an Bewoh­nern, die älter als 30 Jah­re sind, stellt Bin­zwan­gen inner­halb der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung Deutsch­lands jedoch kei­ne Aus­nah­me dar. Der Weg­zug jun­ger Men­schen in die urba­nen Bal­lungs­zen­tren ver­schärft die Situa­ti­on auf dem Land in beson­de­rer Wei­se.


Bin­zwan­gen wird als Wohn­ort haupt­sächlich durch Ein­fa­mi­li­en­häu­ser und ehe­ma­li­ge Hof­stel­len cha­rak­te­ri­siert. Gleich­zei­tig exis­tie­ren ver­schie­de­ne Gewer­be, unter denen v.a. der Tou­ris­mus eine bedeu­ten­de Rol­le spielt. Der­zeit kön­nen bei 121 Gäs­te­bet­ten um die 15.000 Über­nach­tun­gen pro Jahr ver­bucht wer­den. Urlaub auf dem Bau­ern­hof gehört dabei eben­so zu den Attrak­tio­nen wie eine Viel­zahl von Akti­vi­täts­mög­lich­kei­ten in der Regi­on, dar­un­ter Wan­dern und Rad­fah­ren. Nicht weni­ger bedeu­tend ist die Indus­trie, dar­un­ter v.a. eine Schrei­ne­rei sowie eine Tür- und Fens­ter­fa­brik. Die etwa 100 Arbeits­plät­ze im Ort stel­len ein Vier­tel der Gemein­de Colm­berg dar und bie­ten vie­len Men­schen aus der Umge­bung orts­na­he Beschäf­ti­gung, was als wich­ti­ge Gegen­maß­nah­me zur Land­flucht ver­stan­den wer­den muss. Den bäu­er­li­chen Cha­rak­ter des Dor­fes erhal­ten dane­ben meh­re­re Land­wirt­schafts­be­trie­be, davon 5 im Voll- und 3 im Neben­er­werb. Eine Gast­wirt­schaft, ein Bus­un­ter­neh­men, eine Tier­ärz­tin und eine Restau­ra­to­rin sowie Schrift­stel­ler und bil­den­de Künst­le­rin­nen run­den das viel­fäl­ti­ge Berufs-spek­trum vor Ort ab. Zusätz­lich pen­deln vie­le Arbeit­neh­mer in die nahe­ge­le­ge­nen Städ­te Ans­bach und Rothen­burg ob der Tau­ber.
Grund­schu­le und ein Kin­der­gar­ten be-fin­den sich im Haupt­ort Colm­berg, der über eine Schul­bus­li­nie ange­schlos­sen ist. Wei­ter­füh­ren­de Schu­len und Ange­bo­te der Erwach­se­nen­bil­dung in Ans­bach und Rothen­burg ob der Tau­ber kön­nen mit dem ÖPNV erreicht wer­den, der in den Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg ein­ge­bun­den ist. Die drei Hoch­schu­len im Land­kreis Ans­bach ermög­li­chen dar­über hin­aus eine aka­de­mi­sche Ausbil­dung auch auf dem Land.
Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten und ein All­ge­mein­arzt befin­den sich in 4 Kilo­me­ter Ent­fer­nung in Colm­berg und Ges­lau. Der Ort Bin­zwan­gen ist an die öffent­li­che Trink­was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­sei­ti­gung ange­schlos­sen. Das Orts­stra­ßen­netz und die Gemein­de­ver­bin­dungs­stra­ßen wur­den in den letz­ten Jah­ren, v.a. im Rah­men der Dorf­er­neue­rung Bin­zwan­gen II, kom­plett aus­ge­baut und saniert. Dazu gehö­ren eben­so die Geh­we­ge und öffent­li­chen Plät­ze im Ort. Durch staat­li­che För­der­mit­tel für den Breit­band­aus­bau konn­te Bin­zwan­gen außer­dem 2017 [geplant] mit Glas­fa­ser an das schnel­le Inter­net anges­chlos­­sen wer­den, was Pri­vat­per­so­nen eben­so wie Gewer­be­trei­ben­den zugu­te kommt.
Erschlos­se­ne Bau­plät­ze inner­halb der Orts­gren­zen stel­len attrak­ti­ve Ange­bo­te für poten­zi­el­le Bau­her­ren dar und sor­gen für ein geschlos­se­nes Dorf­bild. Die Ver­wen­dung rege­ne­ra­ti­ver Ener­gi­en fin­det in Bin­zwan­gen aus­schließ­lich in Privat­haushalten statt und besteht in den meis­ten Fäl­len bereits seit vie­len Jah­ren, wird aber nach wie vor auch nach­ge­rüs­tet oder in Neu­bau­ten rea­li­siert. Dabei han­delt es sich v.a. um Son­nen­en­er­gie und Holz als Brenn­stoff, aber auch Erd­wär­me­hei­zun­gen fin­den Ein­satz.
Wie die Bewoh­ner unter­ein­an­der, so ste­hen auch die vie­len klei­nen Dör­fer im Umfeld von Bin­zwan­gen stets in Kon­takt. Die Pfar­rei Bin­zwan­gen ver­bin­det die Kir­chen­ge­mein­den von Bin­zwan­gen, Stett­berg und Cadolz­ho­fen, was sich vor allem im gemein­sa­men Posau­nen­chor zeigt, dem außer­dem noch Mit­glie­der aus Ober­he­genau ange­hö­ren. Eben­so ver­eint der Män­ner­ge­sang­ver­ein Stett­berg- Cadolz­ho­fen die­se Orte. Beson­ders aber die Orts­grup­pe der Evan­ge­li­schen Land­ju­gend mit ihren Räum­lich­kei­ten in Bin­zwan­gen zieht Jugend­li­che aus Orten auch jen­seits der drei Kir­chen­ge­mein­den an. Sport­lich Akti­ve fin­den Gleich­ge- sinn­te beim TSV Colm­berg und dem TSV Ges­lau. Koope­ra­tio­nen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne sor­gen in Bin­zwan­gen v.a. durch den Bade­wei­her und Wan­der­we­ge der Kom­mu­na­len Alli­anz Obe­re Alt­mühl für posi­ti­ve Aspek­te.
Sowohl durch regen Aus­tausch inner­halb der Dorf­ge­mein­schaft und mit den drei Bin­zwan­ger Gemein­de­rä­ten als auch durch regel­mä­ßi­ge Bür­ger­ver­samm­lun­gen mit dem Bür­ger­meis­ter vor Ort wer­den Bedürf­nis­se arti­ku­liert sowie Sor­gen und Pro­ble­me an die Ent­schei­dungs­trä­ger her­an­ge­tra­gen. Im Rah­men des Dorf­er­neue­rungs­pro­gramms Binz­wangen II wur­de ein Arbeits­kreis gebil­det, der die Maß­nah­men zwi­schen 2004 und 2014 gestal­te­risch beglei­te­te und dar­über hin­aus Ent­wick­lungs­per­spek tiven für die Zukunft for­mu­lier­te. Eine bes­se­re Anbin­dung der Indus­trie an das Stra­ßen­netz konn­te dadurch eben­so erreicht wer­den wie eine Auf­wer­tung des Dorf­kerns für Bewoh­ner und Tou­ris­ten. Gleich­zei­tig gilt es, durch den Erhalt des natur­räum­li­chen Umfelds und der bestehen­den land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be die tou­ris­ti­schen Anrei­ze zu bewah­ren und damit zugleich akti­ve Land­schafts-pfle­ge zu betrei­ben. Die erfolg­te Anla­ge neu­er Geh­we­ge, Grün­flä­chen und Begeg­nungs­plät­ze sind Maß­nah­men, durch die die Wohn- und Lebens­qua­li­tät erhöht wur­de und der Land­flucht aktiv ent­ge­gen­ge­wirkt wird. Obwohl in den letz­ten Jah­ren viel in die­ser Hin­sicht erreicht wer­den konn­te, sol­len die Anrei­ze, um jun­ge Men­schen im Dorf zu hal­ten und Neu­bür­ger zur Ansied­lung zu bewe­gen, wei­ter ver­bes­sert wer­den. Von beson­de­rer Bedeu­tung ist dabei auch die sozia­le Ein­bin­dung in das akti­ve Ver­eins­le­ben und das all­täg­li­che Mit­ein­an­der, die in vie­len Fäl­len bereits nach­hal­tig von Erfolg gekrönt ist.