Kriegsende 1945

Als die Allier­ten im Früh­jahr 1945 den Sieg über Nazi­deutsch­land davon­tru­gen, zog die Front auch über Bin­zwan­gen hin­weg. Lesens­wert ist zu den Bege­ben­hei­ten auf den Dör­fern ein Arti­kel der Inter­net­sei­te Rothen­burg unterm Haken­kreuz. Wir zitie­ren hier nur einen Absatz, legen der inter­es­sier­ten Leser­schaft aber den gan­zen Arti­kel ans Herz.

Nach der Übergabe von Rothenburg ging am 17. April der Vormarsch in raschem Zuge weiter. Westlich der Stadt fielen Gammesfeld, Leuzendorf, Bettenfeld und Leuzenbronn mit ihren Nebenorten nach vorausgehendem Artillerie­feuer auf die Dörfer und Weiler. Bei Nordenberg wurde die Frankenhöhe erstiegen und der Angriff bis Windelsbach, Preuntsfelden, Burg­hausen, Cadolzhofen und Binzwangen vorgetragen. Hierbei wurde Linden durch Feuer fast völlig zerstört, in den übrigen Gemeinden gab es nur geringen oder überhaupt keinen Scha­den. Die von Schweinsdorf aus über Neusitz ebenfalls auf die Höhe vorrückenden Amerikaner wurden bei Wachsenberg von einer kleinen deutschen Nachhut noch einige Zeit hingehalten.

 

Trup­pen­be­we­gung zwi­schen dem 11. und 19. April 1945 (Über­nom­men von rothenburg-unterm-hakenkreuz.de)

Über die Gescheh­nis­se in Bin­zwan­gen berich­tet der dama­li­ge Pfar­rer Traut­ner im Juni 1945 an das Deka­nat Leu­ters­hau­sen. Sei­ne Ein­schät­zun­gen, v.a. hin­sicht­lich der angeb­lich unpo­li­ti­schen Hal­tung der Bin­zwan­ger Bevöl­ke­rung, müs­sen jedoch äußerst kri­tisch beach­tet wer­den.

Binzwangen, den 19. Juni 1945

An das Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen.

Betreff: Kriegsgeschehen in der Pfarrei Binzwangen - Stettberg.

Über die Kampfereignisse innerhalb der Pfarrei wird folgendes berichtet:
Durch die Versteifung der Front und durch die Vorbereitungen der deutschen Wehrmacht zur Verteidigung der Frankenhöhe zwischen Rothenburg o.Tb. und Burgbernheim, war schon anfangs April eine ständig zunehmende Beunruhigung und Nervosität der unmittelbar hinter diesem Gebiet liegenden Gemeinden zu verspüren. Als es den Amerikanern gelungen war, die Sperrstellungen an einigen Punkten zu durchstoßen, rückte zunächst Binzwangen in den unmittelbaren Kampfbereich ein. Nachdem in der Nähe des Ortes einzelne deutsche Geschütze insbesondere in der Nacht noch Artillerietätigkeit entfalteten, wurde Binzwangen in der Nacht vom 15. zum 16. April d.J. kurz und ohne besondere Wirkung, in der Nacht darauf jedoch wesentlich stärker und anhaltender von amerikanischen Sprenggranaten größeren Kalibers beschossen. Neben zahlreichen kleineren Beschädigungen brannten zwei Scheunen nieder und wurden zwei Wohnhäuser zum Teil erheblich beschädigt, darunter auch das Pfarrhaus, das infolge Brandes der dahinterstehenden Scheune auch noch eiligst geräumt werden mußte, da unmittelbare Brandgefahr bestand. Nur dem beherzten Eingreifen und der aufopfernden Tätigkeit der Binzwanger Frauen und Mädchen - Männer waren fast keine vorhanden - ist es zu danken, daß das bereits in Brand geratene Pfarrhaus gerettet werden konnte.
Tags darauf, also am 17. April, rückten im Laufe des Vormittags amerikanische Verbände in großer Zahl ohne weitere Kampfhandlungen in Binzwangen ein. Die Mehrzahl der Häuser wurde völlig beschlagnahmt, im übrigen war ihr Verhalten durchaus korrekt. Erst ein späteres verirrtes Nachschubkommando raubte aus dem Pfarrhaus Rundfunkgerät, Schreibmaschine und 5 Altarkerzen.
Die Gemeinde Stettberg wurde ohne ersichtlichen Grund in der Nacht vom 17. zum 18. April star beschossen, doch gingen die meisten Geschosse in den Wiesengrund. Jedoch wurde viel Schaden unter dem Vieh und in den Ställen angerichtet. Auch hier brannte eine Scheune vollständig nieder. Die übrigen zur Pfarrei gehörigen Ortschaften Cadolzhofen, Poppenbach und Oberhegenau wurden weniger betroffen.
Evangelische Gemeindeglieder kamen bei den Kampfhandlungen nicht ums Leben. Ein Katholik wurde in Stettberg durch einen deutschen Granatsplitter getötet. Ein 14 jähriger Bursche von Binzwangen wurde durch Hantieren mit einer Panzerfaust verletzt und verlor seinen rechten Arm. Eine Frau in Stettberg wurde ebenfalls durch einen Granatsplitter am Fuß verletzt und wurde von den Amerikaern unverzüglich in das Rothenburger Krankenhaus gefahren.
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Gemeinglieder  v o r  dem eigentlichen Kampfgeschehen in ziemlicher Unruhe und Aufregung waren.  W ä h r e n d  des Kampfgeschehens jedoch trafen sie ruhig und besonnen die notwendigen Maßnahmen und löschten im feindlichen Beschuß mit größter Selbstverständlichkeit entstehende Brände. Man kann wohl sagen, daß die ganze Bevölkerung - abgesehen von den evakuierten Saarländern in den kritischen Tagen eine ruhige, besonnene und würdige Haltung zeigte und durch manche Tat praktisches Christentum bewies.
Das gottesdienstliche Leben erlitt in der ganzen Zeit keinerlei Unterbrechungen. Wohl wurde mancher Gottesdienst gestört, ohne abgebrochen oder verkürzt zu werden, wohl war manchmal der Kirchgang für die Auswärtigen mit Gefahr verbunden, wohl mußten vorübergehend einige Samstagsbeichten auf den Sonntag früh verlegt werden. Sonst gab es keine Schwierigkeiten oder Ausfälle.
Länger andauernde, nachhaltige Erschütterungen seelischer Art konnten beim Zusammenbruch bei dem weitaus größten Teil der Gemeinde nicht beobachtet werden. Der Bauer in dieser Gegend hat nie politisch gedacht und hat mit nüchternem und unbestechlichen Blick ein ähnliches Ende schon seit Jahren vorausgesagt und vorausgesehen.

K. Trautner, Pfr